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Schmerzensgeld nach Unfall im Freizeitbad


Das Landgericht Braunschweig hat mit Berufungsurteil vom 09.05.2018 (Az. 9 S 102/17) die Betreibergesellschaft eines Freizeitbades in Wolfsburg verpflichtet, an den Kläger ein Schmerzensgeld in Höhe von 3.000,00 € zu zahlen. Dieser hatte sich bei der Nutzung einer Rutsche im Februar 2015 ein Schlüsselbeinbruch zugezogen. Die Richter stellten weiter fest, dass die Beklagte auch für zukünftige Schäden, die aus dem Unfall resultierten, einzustehen habe.


Die sogenannte Trichterrutsche war nach Abnahme durch den TÜV im Dezember 2014 erstmals in Betrieb genommen worden. Nachdem es anschließend zu mehreren Unfällen mit Personenschäden in der Rutsche gekommen ist, hat die Beklagte die Anlage kurzfristig geschlossen und nach einer Überprüfung durch die Herstellerin im Februar 2015 wieder frei gegeben. Kurz darauf ist es dann zu der Verletzung des Klägers gekommen. Im September 2015 wurde diese Rutsche dauerhaft außer Betrieb gesetzt.


Die Berufungskammer ist zu der Überzeugung gelangt, dass die Beklagte als Betreiberin der Rutsche schuldhaft ihre Pflicht verletzt habe, die notwendigen und zumutbaren Vorkehrungen zu treffen, um eine Schädigung der Badegäste möglichst zu verhindern. Die Anlagen einer Badeanstalt müssten so beschaffen sein, dass die Benutzer vor vermeidbaren Gefahren bewahrt bleiben. Dabei seien sie vor den Gefahren zu schützen, die über das übliche Risiko bei der Nutzung hinausgehen. Nachdem es nach der Inbetriebnahme der Rutsche im Februar 2015 erneut in kurzer Folge zu Unfällen gekommen sei, hätte die Beklagte erkennen müssen, dass ihre bisherigen Maßnahmen zur Vermeidung von Unfällen nicht ausreichten. Abweichend von der Einschätzung des erstinstanzlichen Gerichts (Amtsgericht Wolfsburg, Az. 23 C 90/15) wäre die Beklagte zu diesem Zeitpunkt verpflichtet gewesen, die Rutsche erneut zu schließen und unabhängige, sachverständige Hilfe heranzuziehen. Der Unfall des Klägers hätte auf diese Weise vermieden werden können. Dies gelte insbesondere vor dem Hintergrund, dass ein Sachverständiger bei einer Begutachtung im Jahr 2016 zu dem Ergebnis gelangt ist, dass die Rutsche unter einem schwerwiegenden Konstruktionsfehler gelitten habe.


Das Urteil ist rechtskräftig.


Kontakt:

Richterin am Landgericht

Dr. Rike Werner

Pressesprecherin

Landgericht Braunschweig

Münzstraße 17

38100 Braunschweig

Tel.: 0531 488-2250

mobil: 0175 4933695


Artikel-Informationen

09.05.2018

Ansprechpartner/in:
Frau Richterin am Landgericht Dr. Rike Werner

Landgericht Braunschweig
Pressesprecherin
Münzstraße 17
38100 Braunschweig
Tel: 0531 488-2250
Fax: 0531 488-2393

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